Spain - The Soul Of Spain

Ende der 1980er nahm das Phänomen Slowcore, manchmal auch als Sadcore bezeichnet, seinen Anfang. 1995 hatte das Genre seine Hochzeit erreicht und mit „The Blue Moods Of Spain“ ein Juwel hervorgebracht. Hardcore und Grunge waren – zumindest in Teilen – längst vom Mainstream absorbiert und Kurt Cobain bereits tot. So richtig weg war Slowcore nie, vor allem Low halten das Fähnlein auf immer wieder hohem Niveau, „C’mon“ von 2011 hatte dies nachhaltig unterstrichen. Spain waren zunächst bis 2001 aktiv, aus diesem Jahr stammt ihr letztes Lebenszeichen namens „I Believe“, das ihr drittes Album war. 

 

Die Geschichte von Spain ist auch die Geschichte der Familie Haden. Charlie Haden ist eine feste Jazzgröße, er hat sein Talent an seine Töchter und Söhne weitergegeben. Dabei benützen seine Kinder Jazz lediglich als ein Element von vielen in ihren eigenen Werken. Hervorgetan haben sich vor allem Petra, Rachel und Josh Haden. Die zwei Haden Schwestern gründeten mit Anna Waronker (Tochter des berühmten Warner-Bros.-Mannes und Produzenten Larry Waronker) gemeinsam that dog. Fast zur gleichen Zeit rief Josh Haden Spain ins Leben und schuf mit „The Blue Moods Of Spain“ einen Genre-Klassiker. 

 

Slowcore ist Entschleunigung, Wiederholung und Verzögerung, die Langsamkeit in Klanggebilde gegossen, wobei Spain immer diejenigen waren, die Melodie und Song im Auge behielten. Slowcore war immer auch Sadcore. Traurigkeit, Melancholie und Depression in Lieder und Klangcollagen verwandelt. Nicht umsonst hat Johnny Cash in seiner Rick-Rubin-Phase den Spain Song „Spiritual“ aufgenommen, auch die Soulsavers (mit Mark Lanegan) coverten es und die Red Hot Chilli Peppers nahmen das Lied in ihr Live-Programm. 

 

„The Soul Of Spain“ ist die unaufgeregte Fortsetzung des Spain-Konzepts, wobei sie dieses Mal auf „Because Your Love“ und „Miracle Man“ das Tempo hochfahren. Weniger sad und weniger slow kommen die Songs daher, wobei die Betonung auf weniger liegt. Vielleicht sind es nur vereinzelte Sonnenstrahlen, die den Weg in den abgedunkelten Klangraum finden, um so intensiver werden sie wahrgenommen. Dementsprechend wird der Hörer von warmen Orgelsounds (Randy Kirk) umgarnt wie auf dem optimistisch-melodiösen „I’m Still Free“ oder auf „I Love You“ von einer perlenden E-Gitarre, die Daniel Brummel spielt. Schlagzeuger Matt Mayhall verzögert immer wieder genüsslich sein Spiel, das mit dem langsam wummernden Bass von Josh Haden die Genre typische Schwere erzeugt. Hadens samtene Stimme schmiegt sich nach wie vor um die Seele des Zuhörers, ein weiteres Element, das unverkennbar als Spain identifiziert wird. Nicht zu vergessen die sporadisch eingesetzten weiblichen Stimmen von Petra und Rachel Haden, besonders bezaubernd auf „Falling“.

 

In der Summe ist „The Soul Of Spain“ ein typisches Spain-Album geworden, das dennoch mit den erwähnten Kontrasten aus dem Konzept schert, ohne sich untreu zu werden. Ein poetischer Songzyklus, der in vielen Farben schimmert, die auch das Digipak und Booklet eindrucksvoll widerspiegeln. Gelungene Rückkehr der Blue-Moods-Melancholiker!

G√ľnter Ramsauer