Spain - The Soul Of Spain

Die Entdeckung der Langsamkeit dürfen sie zwar nicht für sich verbuchen, die hatte 1983 schon der Literat Sten Nadolny für sich beansprucht. Doch das Lostreten einer musikalischen Strömung namens Slowcore darf man den Amerikanern von SPAIN sicher zuschreiben. Zwischen 1995 und 2001 versammelten Mastermind Josh Haden (Sohn des berühmten Jazz-Bassisten Charlie Haden) und seine Kompagnons mit nur drei Alben und wenigen Tourneen eine ansehnliche und loyale Fangemeinde, die es sich nicht nehmen ließ, die melancholischen und in Zeitlupe dahin schwebenden Songs dieser Combo zu vergöttern.

Glamouröse Stars wurden SPAIN deswegen zwar noch lange nicht, aber größere internationale Aufmerksamkeit erregten sie immerhin, als Starproduzent Rick Rubin gemeinsam mit seinem damaligen Vertrauten Johnny Cash einen SPAIN-Titel namens Spiritual für das "Unchained"-Album des 'man in black' verwendeten.

Nun, schlappe elf Jahre nach dem Split, setzen die Amerikaner ihren Trip überraschenderweise fort. Als sei niemals etwas vorgefallen, schieben sie ihren feinsinnigen, melancholischen, in sich ruhenden Songzyklus weiter voran, heben ihre gemächlichen und kontemplativen Momentaufnahmen ans Licht der Öffentlichlkeit und gefallen sich wie eh und je als Botschafter der Ruhe und Besinnlichkeit.

Wäre man bösartig, könnte man SPAIN entgegen halten, ihre Songs animierten zum Gähnen, zum Dösen, zum Einschlafen, doch welcher Zeitgenoosee mit Sinn für Ästhetik hegt solche Gedanken? Schläft man tatsächlich ein, weil man sich die Band im Bett liegend auf Kopfhörer gibt, dann hat man den Schlaf aber auch wirklich gebraucht und hört sich den Rest des Albums beim nächsten Mal an. So einfach ist das. 
"The Soul Of Spain" birgt viele großartige und schöne Momente, fließt und gleitet beruhigend vor sich hin, schlägt nur zwei Mal gischtige Wellen, wenn inBecause your love und Miracle man, die Rock-Adern der Band ein wenig heftiger anschwellen und für Unruhe sorgen. Ansonsten, alles beim Alten.

Frank Ipach