Spain - The Soul Of Spain

Das wahrscheinlich bekannteste Lied der Band Spain findet sich auf einem Album von Johnny Cash. Rick Rubin hatte dem Alten "Spiritual" für "Unchained" ans Herz gelegt, und dieser hatte das ironisch gebrochene Schwermutsstück in alttestamentarischer Weise vorgetragen. Mit dem sogenannten Slowcore der Kalifornier hatte das freilich wenig zu tun.

Nach elf Jahren Studioabstinenz folgt jetzt "The Soul Of Spain", ihr viertes Album. Doch Namen waren bei Spain von Beginn an nur Täuschungsmanöver. Wer hinter dem Titel Kastagnetten und Flamenco wähnt, wird erst enttäuscht sein, dann glücklich. Denn "The Soul Of Spain" ist ein kleines Kunstwerk der Langsamkeit, ein Quell der Ruhe, ohne esoterischen Beigeschmack. Und Josh Haden beweist wieder einmal seine Fähigkeiten als Songschreiber kontemplativer Epen wie "Only One", die ihre Schönheit entfalten wie ein langsam aufklarender Himmel. Klanglich wie textlich scheint sich hier alles immer an einer Erkenntnis aufzuhängen, zu stagnieren im Moment der Beobachtung: "I hear the leaves rustling/ I hear the thunder rolling in/ But your love came strolling in without a sound", singt Haden mit mönchischem Gleichmut. Zwischendurch wird es auch mal fast rockig wie im "Miracle Man", eine Art Zeitlupen-Weezer mit orientalisch anmutendem Gitarrensolo.

Dann kommen noch einmal die spirituellen Versenkungen, die hier "Falling" und "Hang Your Head Down Low" heißen. Und ist es nicht eigentlich das, wonach wir uns sehnen: einmal wieder kurz innehalten? Wem’s noch gelingt, wem der Daumen noch nicht am Touchpad zappelt, um endlich zum nächsten Song zu scrollen, der wird mit "The Soul Of Spain" reich belohnt.

Max Gösche