CD Review / Spain - Sargent Place

Eine weitere Platte, die jetzt den Titel "Sargent Place" trägt, wurde bereits bei der Veröffentlichung von The Morning Becomes Eclectic Session für das Frühjahr 2014 angekündigt. Spain ist da pünktlicher als die Deutsche Bahn und versüßt einem beim Frühstück, Mittagessen oder zum 'jetzt-nur-noch-Füße-hoch-Abend' die Zeit auf ganz wunderschöne Weise. Slowcore à la Spain ist so gehaltvoll wie gut gereifter Whiskey. Zehn Songs stehen in der Tracklist und neun davon erfüllen die Kriterien des soeben genannten Genres.

Ausgerechnet "Sunday Morning" tanzt da im wahrsten Sinn des Wortes aus der Reihe, denn hier ist kein enges Schwofen mehr angesagt. Spain werden fast schon hyperaktiv, wenn es bei dieser Nummer herrlich abgeht, die Keyboard-Töne von Randy Kirk perlen und die E-Gitarre doch tatsächlich ordentlich rifft. Matt Mayhall hat sich einen tollen Groove ausgesucht und Bandvorsteher Josh Haden hat seine Stimmbänder für dieses Lied mal anders justiert. "Sunday Morning" ist die temporeiche Ausnahme von "Sargent Place". So darf die Gruppe in Zukunft ruhig weiter aus der Rolle fallen.

Der Albumtitel hat seinen Ursprung übrigens von der Straße, in der Produzent Gus Seyffert (auch Ryan Adams, Priscilla Ahn, The Black Keys, Beck, Norah Jones) seine Studios hat. Neben dem Ausflug auf die Spain-Schnellstraße macht der Opener "Love At First Sight" deutlich, dass trotz des ganz nahe beim absoluten Nullpunkt angesiedeltem Tempo, dort unten Feuer existiert. Ohne Vorankündigung konstruiert Daniel Brummel auf seiner elektrischen Gitarre extravagante Klänge, die man in der Form von Spain gar nicht gewohnt ist. Exzellent!

"Sargent Place" hat einen hohen Unterhaltungswert. Die Band versteht es, dem Genre auf besondere Art und Weise Facetten zu geben, die einfach magnetische Wirkung auf den Hörer haben. Wenn Josh Hadens Schwester Petra in "The Fighter" dann auch noch ihre Violine und Stimme ins Spiel einfügt, gibt es eine doppelte Portion Sehnsucht.

"You And I" macht die Familienbande auf diesem Album perfekt, denn Vater Charlie Haden zupft den akustischen Bass zu sehr dezentem Arrangement. Jetzt ist alles in einem außergewöhnlich sanften Modus unterwegs. Nicht nur hier sind selbst die Texte auf ein Minimum an Worten reduziert, ohne die Aussagekraft außen vor zu lassen:

»Our Love

Will never die

We'll outlast time

We'll never fade away

 

You And I

We'll reach the sky

We'll learn to fly

Just You And I [...]«

Zwischen Slowcore und "Sunday Morning" lässt sich "It Could Be Heaven" nieder. Mit leicht angezogenem Tempo kann sich die E-Gitarre in einer anschmiegenden Melodie sowie feinen Hooklines auslassen und "From The Dust" ist ein geschickt verpackter Spain-Blues. "To Be A Man" ist dann sehr stark reduzierter musikalischer Genuss. Die Keyboards sind ganz weit im Hintergrund aktiv und eigentlich ist dieses Stück nur von Josh Hadens Gesang sowie der akustischen Gitarre bestimmt. Wunderbar!

"Sargent Place" ist ein herausragendes Album mit Eleganz und Würde. Spain bietet Slowcore aus dem obersten Regal. In Anlehnung an den Stil wird eine ganz langsame Empfehlung ausgesprochen.

Line-up:

Josh Haden (bass, vocals)

Daniel Brummel (lead guitar, acoustic guitar, percission, backing vocals)

Randy Kirk (keyboards, guitar, percussion, backing vocals)

Matt Mayhall (drums, percussion, backing vocals)

 

With:

Charlie Haden (acoustic bass - #9)

Petra Haden (violin - #2, backing vocals - #2,4)

 

Gus Seyffert (electric guitar - #8, bass - #6, cello - #2, percussion, backing vocals)

Joachim 'Joe' Brookes