US-Band Spain spielt in Hemmersdorf
Nach Berlin führt diese Tour, nach Frankfurt, nach Wien, Zürich – und nach Hemmersdorf. Der Ort bei Rehlingen-Siersburg hat bislang nicht den Ruf einer Rockmusik-Metropole; umso erstaunlicher also, dass eine sehr geschätzte US-Band, die durchaus vom Begriff „Kult“ umflort wird, dort auf dem Land Station macht. Eine schöne Idee des Veranstalters Hotellounge, mit Sitz in Zürich und – Hemmersorf. Spain heißt die amerikanische Band, die am nächsten Mittwoch zum ersten Mal im Saarland ihre feinnervige Rockmusik mit dem Hang zur bluesigen Melancholie spielt und sich seit langem einiger bekannter Fans erfreut: Johnny Cash etwa hat ein Stück von Spain aufgenommen, Wim Wenders hat ihre Musik in seinem Film „Das Ende der Gewalt“ verwendet, Kollege Tom Tykwer ebenfalls, in seinem „Winterschläfer“. Beide Filme stammen aus den 1990ern, die Band ebenso: Josh Haden, Sänger, Bassist und Sohn des Jazzers Charlie Haden (1937-2014), gründete sie 1993, zwei Jahre später erschien das Debütalbum, seitdem arbeitet die Band kontinuierlich vor sich hin, nimmt man ein paar Umbesetzungen aus und ein paar Jahre, in denen Spain auf Eis lag.

Über ein Dutzend Alben hat die Band vorgelegt, das jüngste erscheint am Freitag nächster Woche – zwei Tage nach dem hiesigen Konzert. „Mandala Brush“ heißt es, wurde zum großen Teil live im Studio ohne Nachfeilen eingespielt und ist ein äußerst spannungsreiches Album. Mal verfolgt es popklassische Pfade, mal kommt es bewusst vom Weg ab, um sich lustvoll durch musikalisches Unterholz zu schlängeln, wobei das Interesse an üblicher Songlänge überschaubar ist. Nahezu 15 Minuten pocht und pulsiert etwa „God is Love“, das zart mit Streichermotiven und einem ab und an dazwischen rumpelnden Schlagzeug beginnt, um dann, auf- und abschwellend, eine ganz eigene Klanglandschaft zu entwerfen - mit fernem Pfeifen, Flöten und Frauenstimmen (der Haden-Schwestern Tanya und Petra), die über allem schweben.

Ein langer, intensiver Höhepunkt dieses Albums, gegenüber dem die konventionelleren Stücke durchaus abfallen könnten, wären sie nicht so clever komponiert und instrumentiert: Die Bläsersätze etwa mit ihrer Tex-Mex-Anmutung in „The coming of the Lord“ sind eine Freude, ebenso wie das psychedelische Vor-sich-hin-Schrammeln im Auftakt „May in the Summer“ – da dünstet auch ein wenig Aroma der Doors durch den Raum.

Ein herber Kontrast dazu ist das glatteste Stück des Albums, „You bring me up“, das es sich mit einer allzu naheliegenden Melodie etwas einfach macht – als habe die Band mal einen potenziellen Hit fürs US-College-Radio schreiben wollen. Viel gelungener ist da der verspielte Akustik-Pop von „Folkstone, Kent“ mitsamt einer melancholischen Trompete und „Laurel, Clementine“ mit wundersamen Refrain und schönen Frauenstimmen als Verstärkung von Haden; der hat eine charakteristische, leicht klagende, aber nicht immer ungemein starke Stimme. Aber eine Rolle spielt das bei diesem famosen Album nicht. Auf die Live-Umsetzung – als Gast ist Josh Hadens Schwester Petra (Geige und Backgroundgesang) dabei - muss man gespannt sein.

 

Spain: Mandala Brush (Glitterhouse, ab 28. September).

Konzerte: Mittwoch, 26. September, Hotel Gasthaus Gellenberg in Rehlingen-Siersburg. Einlass 19, Beginn 20 Uhr.
Tickets an der Abendkasse: 10 Euro. Reservierung möglich unter info@hotellounge.de

Konzert in Luxemburg: Freitag, 28. September: De Gudde Wellen.

https://www.saarbruecker-zeitung.de/kultur/sz-kultur/us-band-spain-spielt-im-saarland-in-hemmersdorf_aid-33121045

Tobias Kessler
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